Sopranistin Jeannette Wernecke, GMD Gabriel Feltz und die
Dortmunder Philharmoniker beim Schlussapplaus. Foto: Schröter

Die Dortmunder Philharmoniker haben in dieser Spielzeit bereits bei den Cityring-Konzerten auf dem Friedensplatz sowie im Orchestergraben des Opernhauses bei „Arabella“ und „La Traviata“ gespielt, doch so richtig fängt ihre Saison – auch nach dem eigenen Empfinden – erst mit dem 1. Philharmonischen Konzert im Konzerthaus an. Teil 1 dieses „1. Philkos“ stand am Dienstag unter dem Motto „himmel_wärts“ und unter dem Dirigat von GMD Gabriel Feltz an und vereinigte die Musik zweier Komponisten, die sich auch privat nahestanden: Richard Strauss und Gustav Mahler. Und sowohl Strauss‘ „Tod und Verklärung“ als auch Mahlers 4. Sinfonie leben von ihrer Vielseitigkeit.


Bei Strauss ist es ein Sterbender, der gut hörbar zwischen Ruhephasen und letztem Aufbäumen hin- und herwechselt, und auch die Mahler-Musik variiert zwischen lauten, voluminösen und zarten, fast transzendenten Passagen. Für den Zuhörer bieten beide Kompositionen folglich ein Höchstmaß an Abwechslung und Kurzweil.

In „Tod und Verklärung“, das tief in der Romantik verwurzelt ist und das Strauss bereits als 24-Jähriger komponiert hat, hört man durch den langsamer werdenden Herzschlag den Tod förmlich kommen. Das wirkt durchaus dramatisch und ergreifend. Doch danach folgt keinesfalls eine allumfassende Stille, wie man es vermuten könnte, sondern – wie GMD Gabriel Feltz es im Vorgespräch „Wir stimmen ein“ nennt – eine „Schwerelosigkeit, wie man sie sonst vermutlich nur im Weltraum“ erlebe. Er selbst, so Feltz weiter, halte gerade diese Passage für geradezu genial.

Nach der Pause folgt Mahler, der in dieser mit „welten_klang_räume“ übertitelten Spielzeit eine Klammer bildet, denn auch im 10. Philharmonischen Konzert im Juli 2018 wird Mahler-Musik zu hören sein: die 8. Sinfonie (die „Sinfonie der Tausend“). Seine 4. Sinfonie ist die lebensbejahendste, positivste Musik, die Mahler je komponiert hat. Er erschuf sie in einer Phase, in der es ihm beruflich und privat gut ging. Er hatte den begehrtesten Job seines Metiers als Wiener Hofoperndirektor und seine Ehe mit der berühmt-berüchtigten Alma Mahler lief noch gut. Als Zuhörer dieser Musik kann man in gigantischen Klangräumen schwelgen und in leisen Passagen dahinschmelzen. Besonders diese leisen Passagen sind es, in denen sowohl Orchester als auch Konzerthaus-Akustik ihr ganzes Können zeigen: Unglaublich transparent und klar kommt die Musik in diesen Sequenzen beim Zuhörer an. Eine Besonderheit bei der Mahler-Musik: Die 1. Geigerin Shinkyung Kim spielt mit zwei Instrumenten. Eines ist tiefer gestimmt und stellt den Tod dar. Und ganz am Schluss, im 4. Satz, darf auch noch eine Sopranistin ran: Jeannette Wernecke, die an der Oper in dieser Spielzeit auch als Fiakermilli in „Arabella“ zu hören ist. Ihr gelungener Auftritt ist ein (weiteres) belebendes Element an einem interessanten Konzertabend.

Übrigens: Neu in dieser Spielzeit ist, dass die Einführungen „Wir stimmen ein“ nicht mehr im Konzertsaal stattfinden, sondern – wie früher unter GMD Jac van Steen – im Komponistenfoyer. Das hat Vor- und Nachteile. Vorteile: Die Musiker haben den Saal vor den Konzerten für sich und können sich in Ruhe einspielen, und der Kontakt zwischen Vortragendem und Zuhörern ist näher und intimer. Bei den Einführungen im Saal hatten sich oft nur einige wenige Interessierte auf den vielen Plätzen verloren. Nachteil: Es gibt im Komponistenfoyer zu wenige Sitzplätze und die langsam ins Konzerthaus strömenden Zuschauer stören die Veranstaltung, weil sich das Komponistenfoyer quasi im Durchgang befindet. Eine ältere Dame kommt zu spät, verschafft sich Zutritt zu einem Sitzplatz genau in der Mitte, bleibt dann aber stehen und winkt  gefühlt minutenlang ihrer Freundin zu, um ihr zu zeigen, dass noch ein weiterer Platz frei ist – und das alles, während GMD Feltz über das Element der Romantik in der Strauss-Musik referiert. Das ist  dreist und unfreundlich dem Vortragenden und den anderen Zuhörern gegenüber.

Andreas Schröter