Weihnachtsmärchen

Szene aus dem „Gestiefelten Kater“ mit Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer, Andreas Ksienzyk, Ann-Kathrin Hinz. Foto: Hupfeld

Das Weihnachtsmärchen des Kinder- und Jugendtheaters ist eine Bank: Da kann man – auch als Erwachsener – jedes Jahr ab Mitte November ganz sicher sein, anderthalb wunderschöne Stunden zu verleben, in denen man den Alltag komplett ausblenden kann. In diesem Jahr steht „Der gestiefelte Kater“ unter der Regie von KJT-Chef Andreas Gruhn auf dem Spielplan. Premiere war am Freitag (wegen der Umbauarbeiten im Schauspielhaus) erneut an der Sckellstraße.

Und in diesem Jahr ist das Weihnachtsmärchen sogar noch einen Tick besser gelungen als in den Vorjahren. Beim Rausgehen hört man einige Kinder an der Hand ihrer Eltern sagen: „Mama, das war soooo schön. Da möchte ich nochmal rein.“ Und dann beginnen sie voller Begeisterung die einzelnen Szenen haarklein zu rekapitulieren.

Man kann den Kleinen nur zustimmen: Der Wow-Effekt stellt sich bereits ein, wenn noch kein einziger Schauspieler auf der Bühne ist. Das Bühnenbild (Ausstattung: Oliver Kostecka) ist mit begehbarem Turm, Hängebrücke, Kerker, schiefer Ebene und jeder Menge Grünzeug schon fast bombastisch zu nennen. Es versetzt die Zuschauer unverzüglich in eine mittelalterliche Märchenwelt, in der es Könige, Prinzessinnen und Zauberer gibt.

Märchen im Märchen

Andreas Gruhn erzählt den alten Stoff von Charles Perrault als Märchen im Märchen. Am Hofe eines alten Königs herrscht vor allem eines: gähnende Langeweile. Der König (Rainer Kleinespel) versteckt sich vor seinen nervigen Untertanen – dem Marschall (Andreas Ksienzyk) und der Erzieherin seiner Tochter (Johanna Weißert und Ann-Kathrin Hinz). Auch die vergessliche Köchin (Bettina Zobel) macht das Leben am Hofe nicht besser. Das ändert sich, als zwei Landstreicher (Thorsten Schmidt und Philip Pelzer) auf der Suche nach Essbarem einbrechen und vom Marschall gefasst werden. Um ihre Haut zu retten, geben sie vor, Unterhaltungskünstler zu sein und schlagen vor, gemeinsam das Märchen vom „Gestiefelten Kater“ zu spielen. Vor allem König, Prinzessin und Köchin willigen begeistert ein, während Marschall und Erzieherin erst überredet werden müssen. Aber auch sie finden mit fortschreitender Dauer des Ganzen immer mehr Gefallen an der Idee …

Schauspieler beweisen Vielseitigkeit

Die KJT-Schauspieler können sich in diesem Stück nach Herzenslust austoben und ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen, weil sie wechselnde Rollen übernehmen. Rainer Kleinespel ist nicht nur gelangweilter König, sondern auch Schuster, Koch, Räuber, Hirte, Waldarbeiter und Diener. Johanna Weißert kann nicht nur zickige Erzieherin, sondern auch Räuber, Bauer und Dienerin.  Bei ihr gefällt ihr eigenwilliger, abgehackter Bewegungsablauf, der für weitere Komik sorgt. Auch die Idee mit der vergesslichen Köchin sorgt immer wieder für kleine Gags, an denen sich die Kinder im Publikum erfreuen.

Insgesamt eine ausgesprochen gelungene Inszenierung!

Andreas Schröter

www.theaterdo.de

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