Adès

Sopranistin Emily Newton, GMD Gabriel Feltz und die Dortmunder Philharmoniker beim Schlussapplaus. Handyfoto: Schröter

Für Programmgestalter von klassischen Konzerten ist es immer ein Wagnis, auch mal etwas Modernes auf den Spielplan zu setzen. Das Publikum will lieber die altbekannten Stücke hören. GMD Gabriel Feltz ist dieses Risiko beim 2. Philharmonischen Konzert am Dienstag und Mittwoch im Konzerthaus eingegangen, indem er ein Werk von 1997 zu Gehör gebracht hat: „Asyla“ des 1971 in London geborenen Komponisten Thomas Adès. Allerdings hat er es quasi in Watte gepackt und ihm Wagners Tannhäuser-Ouvertüre, Liszts Totentanz und Wagners Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde“ – zudem mit zwei brillanten Solisten – an die Seite gestellt – also quasi die Megahits der klassischen Musik. Außerdem hat er dem Werk von Adès die komplette Einführung „Wir stimmen ein“ gewidmet.

Der Reihe nach: Dass die Dortmunder Philharmoniker Wagner können und dass die Akustik im Konzerthaus für diese Art von Musik optimal ist, ist bekannt. Dennoch – oder gerade deswegen – überkommt einen jedes Mal aufs Neue ein Schauer der Begeisterung bei der Tannhäuser-Ouvertüre. Sie erinnert an die großartige Inszenierung der Wagner-Oper von Schauspielchef Kay Voges aus dem Jahr 2013.

Nikolai Tokarev ist ein virtuoser Pianist

Kaum weniger begeisternd wirkt Franz Liszts „Totentanz“ mit Nikolai Tokarev am Flügel, der auch schon bei der Ballett-Premiere „Rachmaninow I Tschaikowsky“ am vorigen Samstag im Opernhaus geglänzt hat. Unglaublich virtuos spielt er diese Musik. Das Publikum ist zu Recht hingerissen, und Tokarev spielt als Zugabe ein Preludium von Bach, das Alexander Siloti später abgewandelt hat.

Musik von Adès bietet viel für die Augen

Nach der Pause wird es ernst: der angekündigte Adès. Die gute Nachricht zuerst: Das Publikum hat jede Menge zu gucken. Eine Bass-Oboe im zweiten Satz, ein Gong, der nach dem Schlagen in ein Wasserbecken getaucht wird und dessen Klang dabei erstirbt, Kuhglocken sowie jede Menge Schlagzeuger. Allerdings – und das ist dann wohl doch die schlechte Nachricht: Das Werk bleibt insgesamt sperrig, ist durchsetzt von schrillen und dissonanten Tönen. Im dritten Satz, der mit „Ecstasio“ betitelt ist, wähnt man sich fast in einer Disco mit Trance- und Techno-Rhythmen, die sich stetig wiederholen. Gabriel Feltz sagt im Vorgespräch, dieses „Ecstasio“ könne man vielleicht auch mit der Disco-Droge „Ecstasy“ in Verbindung bringen, die in den 90er-Jahren, als das Werk entstand, hip war. Und immerhin: In diesem dritten Satz kommt man nicht umhin, den Takt mit dem Fuß mitzustampfen.

Emily Newton erneut in Topform

Den Abschluss bildet das Vorspiel und Isoldes Liebestod aus Wagners „Tristan und Isolde“ mit Sopranistin Emily Newton, die bekanntlich zum Ensemble der Dortmunder Oper gehört. Und dass sie eine Klasse für sich ist, ist nicht erst seit diesem Konzert bekannt. Aber sie stellt es auch diesmal wieder unter Beweis. Demnächst ist sie in der Tschaikowsky-Oper Eugen Onegin zu sehen (Premiere am 2. Dezember im Opernhaus).

Live im Radio

Das Konzert wurde von WDR 3 und dem Deutschlandradio Kultur live ausgestrahlt und ist noch 30 Tage lang auf der Website von WDR 3 auch noch nachträglich zu hören. Einige Zuschauer mit Hustenanfall verließen am Dienstag übrigens recht schnell den Saal. Vorbildlich!

Ausblick

Für die Philharmoniker geht es am 12. und 13. Dezember mit dem 3. Philharmonischen Konzert weiter – dann mit Musik von Sibelius und Tschaikowsky.

Dortmunder Philharmoniker

Andreas Schröter