Corine

Corine, entworfen von Franz Anton Bustelli um 1759/1760 als Teil einer 16-figurigen Gruppe der Commedia dell‘ arte. Porzellan, bemalt nach einem Entwurf von Valentino (Garavani), 2007, München, Porzellanmanufaktur Nymphenburg 2008. Foto: Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Cathleen Tasler.

Die elegante Porzellanfigur der Corine im goldenen Kleid ist das „Objekt des Monats“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Die Corine, eine Figur aus der Commedia dell’arte, wurde von Franz Anton Bustelli um 1760 für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg entworfen. Sie gehörte zu einem Tischschmuck des Münchner Hofes. Bekannt wurde die Figur als Symbol des Internationalen Buchpreises, vergeben bis 2011 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Bayerischen Staatskanzlei. Im Jahr 2008 erhielt der Autor Feridun Zaimoglu den Preis für seinen Roman „Liebesbrand“. Während seines Besuchs in Dortmund anlässlich der Reihe „Stadtgespräche“ im MKK, beschloss er, dem Museum den Preis zu stiften.

Corine im MKK kostenlos besichtigen

Die Corine kann kostenlos im Foyer des MKK (Hansastr. 3) besichtigt werden. Dort liegen auch detaillierte Informationen bereit.

Zu Beginn jedes Monats werden Schätze aus den Depots des Museums als Objekt des Monats präsentiert und den Besuchern vorgestellt. Wer Interesse an einer Kunstepoche oder bestimmten Exponaten hat, kann seine Ideen und Wünsche melden unter mkk@stadtdo.de.

Näheres zur Corine:

Franz Anton Bustelli (gest. 1763) Corine, entworfen um 1759/1760 als Teil einer 16 figurigen Gruppe der Commedia dell‘arte. Porzellan, bemalt nach einem Entwurf von Valentino (Garavani) (2007) München, Porzellanmanufaktur Nymphenburg 2008 Der begnadete Modellierer von Porzellanfiguren, Franz Anton Bustelli, entwarf 16 Figuren frei nach Charakteren des Volksschauspiels für die Desserttafel des Münchner Hofes.

Bei diesen „Komödianten“ handelt es sich um Figuren der Commedia dell‘arte, eines im 16. Jh. in Italien entstandenen Stegreiftheaters ohne festen Text, bei dem allein der Handlungsrahmen, eine Liebesgeschichte mit Hindernissen, vorgegeben war. Dabei traten stets dieselben Personen auf, feste Charaktertypen in wiedererkennbaren Kostümen, deren Verhalten das Publikum vorausahnen konnte. Diese Form des Theaters lebte vom Witz und von der Improvisationskunst der Schauspieler und verdankte ihren besonderen Reiz der Möglichkeit, auf aktuelle politische oder gesellschaftliche Ereignisse sogleich zu reagieren und spontan auf sie anzuspielen. Vom derben Volkstheater zum fürstlichen Amüsement aufgestiegen, eroberte die Commedia dell‘arte rasch die Höfe Europas.

Bustelli-Serie erstmals 1760 genannt

Die Bustelli-Serie wurde 1760 erstmals in der Geschichte der Manufaktur genannt. Diese Figuren zählen zu seinen schönsten. Bustelli gab den festgelegten Männerfiguren der Commedia dell’arte weibliche Pendants, Nebenfiguren, wie Isabella, Julia, Leda und Corinella oder Corine. Zu acht Paaren geordnet, bilden sie elegante Bewegungs- und Modestudien. Sie agieren spielerisch, wie tanzend, heiter und lebhaft, natürlich, weder Corine grotesk noch possenhaft. Die Blicke zwischen den liebenden Paaren sind entscheidend.

Sie alle werden bis heute immer wieder ausgeformt und wurden zuletzt von bedeutenden Modeschöpfern neu „eingekleidet“. Die Idee dazu entstand sicherlich aus der vielfältigen Garderobe der Figurinen; vom Reisekleid bis zum Deshabilleé ist alles vorhanden, was im 18. Jh. schick war. Corine trägt sogar das am französischen Hof erfundene Schürzchen der eleganten Schäferin. Die Bemalung der Dortmunder Corine wurde von Valentino entworfen, dessen großzügiges Goldmuster das Relief der Kleidung negiert.

Corine als Zeichen des Internationalen Buchpreises

Die Figur der Corine wurde ausgewählt als Zeichen des Internationalen Buchpreises, der auf Initiative des Landesverbands Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels von 2001 – 2011 verliehen wurde. Ausgezeichnet wurden deutsche und internationale Autoren nach Kriterien wie aktuelle Relevanz, inhaltliche Qualität und Verkaufserfolg. 2008 erhielt Feridun Zaimoglu den Preis für seinen Roman „Liebesbrand“. Während seines Besuchs in Dortmund anlässlich der „Stadtgespräche“ im MKK, beschloss er, dem Museum die Preisfigurine zu stiften.

1964 geboren im anatolischen Bolu, Türkei, zog er mit seinen Eltern 1965 nach Deutschland, lebte erst in München und Berlin und seit 1985 in Kiel. Zaimoglu studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel und ist als Schriftsteller, Drehbuchautor, Journalist, Künstler, Kurator, Bühnenautor sowie als Kolumnist von Frankfurter Rundschau, Zeit und Welt tätig. Er arbeitet als Dozent an den Universitäten in Tübingen und Berlin. Er beteiligt sich an den aktuellen politischen deutsch-türkischen Debatten. Zuletzt erschien das Werk „Evangelio“, eine kluge, kritische Zeitreise in die Ära der Reformation. 2016 erhielt er den Berliner Literaturpreis und schreibt weiter auf seiner elektrischen Schreibmaschine. (Brigitte Buberl)

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

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