Frau Luna

Szene aus Frau Luna mit Hannes Brock und dem Ensemble.

Die Opernhaus-Bühne verwandelte sich am Samstagabend in ein Meer aus Glitzer, Glemmer und Lichtern. Die Paul-Lincke-Operette Frau Luna (1899) hatte Premiere.

Und es ist im Grunde wie bei den meisten Operetten: Man schließt sein Gehirn zusammen mit der Jacke im Garderobenschrank ein, hat sich im Idealfall vorher noch zwei bis drei Gläschen süßen Eierlikör oder Schaumwein genehmigt – dann hat man die besten Voraussetzungen, einen solchen Abend mit seiner üblichen Nonsens-Handlung so richtig zu genießen. Opulent ist wohl der richtige Ausdruck für das, was das Team um Regisseur Erik Petersen da auf die Bühne gebracht hat. Es gibt nicht nur die obligatorische Revuetreppe, sondern auch ein Akrobatenduo (Petra Idelberger und Petra Tobies), das sich gekonnt an Tüchern bis zur Bühnendecke schwingt – oder die Planeten des Sonnensystems, die mit allerlei Lämpchen oder im Falle des Saturns mit einem riesigen Ring versehen sind. Eine tolle Leistung der Ausstatter um Tatjana Ivschina und der Kostümabteilung des Theaters Dortmund.

Frau Luna beginnt in Berlin

Frau Luna gehört bekanntlich zum Genre „Berliner Operette“, und so startet die Handlung auch vor einer Berliner Häuserfassade. Auffällig daran ist vor allem ein seltsames Gefährt – halb schrottreifes Moped, halb Auto –, das der Mechaniker Fritz Steppke (Bonko Karadjov) zusammengebaut hat. Zusammen mit seinen Freunden, dem Schneider Lämmermeier (Morgan Moody) und dem Steuerberater Pannecke (Marvin Zobel) will er damit zum Mond fliegen. Und so geschieht’s denn auch. Blöd für die drei ist nur, dass sich die garstige Vermieterin Frau Pusebach (in einer wirklich lustigen Rolle: Johanna Schoppa) an ein Seil hängt und auf diese Weise die Reise mitmacht. Richtig schön ist dann, wie diese Reise der vier Astronauten ohne Schutzanzug durchs All dargestellt wird: in Schwarz-Weiß per Videoeinspielung, wobei es passenderweise in der Milchstraße für alle einen Schluck Milch gibt.

Mondänes Leben auf dem Mond

Auf dem Mond selbst herrscht – Überraschung! – ein sehr mondänes Leben. Haushofmeister Theophil (Dirk Weiler) und Lunas Zofe Stella (Ileana Mateescu) haben hier das Sagen. Glücklicherweise für die vier Berliner ist just für diesen Tag eine Megaparty geplant, zu der sämtliche Planeten (Pluto ist ausgeladen, weil er kein Planet mehr ist), Kometen, Mondelfen, Mondgrazien und was da oben sonst noch kreucht und fleucht, eingeladen sind.

Und dann im zweiten Akt wird’s so richtig operetten- und revuemäßig: Frau Luna (Emily Newton) hat ihren glamourösen Auftritt, indem sie per Sänfte von der Decke einschwebt. Sie beteiligt sich auch an der schon erwähnten Akrobatik-Nummer und bringt es tatsächlich fertig zu singen, während sie kopfüber drei Meter über der Bühne hängt. Einen weiteren großen Auftritt in seiner Abschiedsspielzeit hat auch Kammersänger Hannes Brock als Prinz Sternschnuppe, der scharf auf Frau Luna ist, in dieser Sache aber nicht recht vorankommt.

Großer Applaus

Am Ende kommen – natürlich – alle Paare zusammen, und unsere Berliner, die eh schon die ganze Zeit von ihrer Heimat geschwärmt haben (Warum sind sie dann überhaupt weggeflogen?) finden einen Weg zurück, obwohl ihr Gefährt explodiert ist. Der Abend ist zu Ende, und die Akteure nehmen den verdienten Riesen-Applaus entgegen.

In weiteren Rollen zu sehen und hören sind Julia Amos in einer Doppelrolle als Mondgroom und Marie, Christine Groeneveld als Venus, Natascha Valentin als Mars, die Statisterie des Theaters Dortmund und der Opernchor des Theaters Dortmund unter der Leitung von Manuel Pujol. Die Dortmunder Philharmoniker, die die schlagerähnliche Musik Paul Linckes teils aus dem Orchestergraben, teils im Bühnenhintergrund selbst spielen, werden dirigiert von Philipp Armbruster.

Mein Tipp: reingehen – aber vorher den erwähnten Eierlikör nicht vergessen!

Andreas Schröter

Theater Dortmund

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