Hadelich

Violinist Augustin Hadelich und die Dortmunder Philharmoniker beim Applaus vor der Pause. Handyfoto: Schröter

Violinist Augustin Hadelich, die Orgel sowie die wunderschöne Musik von Jean Sibelius und Peter Tschaikowsky waren die Stars beim 3. Philharmonischen Konzert der Dortmunder Philharmoniker am Dienstag und Mittwoch im Konzerthaus. Es war mit „lebens_wege“ überschrieben und stellte emotionale, dramatische Musik in den Vordergrund, die besonders im Falle Tschaikowskys zum Ende hin auch vor einer dicken Schicht Pathos nicht zurückschreckt. Doch wann wären wir schließlich für Pathos empfänglicher als ein paar Tage vor Weihnachten?! Dirigent war der 1960 geborene Russe Dmitri Liss.


Sibelius‘ Violinkonzert gehört nicht nur zum festen Repertoire der Konzertsäle dieser Welt, sondern auch in dem von Augustin Hadelich – einem 1984 geborenen Geiger, dessen deutsche Eltern zunächst mit ihm in Italien lebten und später in die USA (nach New York) übersiedelten. Trotzdem fühle er sich in erster Linie als Deutscher und erst danach als Italiener oder Amerikaner, sagte er im Einführungsgespräch „Wir stimmen ein“ mit Orchestermanager Michael Dühn im Komponistenfoyer. Auch seine Muttersprache sei Deutsch.

Augustin Hadelich hat großes Repertoire

Das Violinkonzert gehöre schon zu den Stücken, die er etwa einmal im Jahr spiele – allerdings brauche er die Abwechslung. Deswegen habe er auch eine große Auswahl an Musik, die zu seinem Repertoire zählt. Im Konzert selbst gelingt es Hadelich, das Gefühlvolle und Tiefgründige der Musik von Sibelius auf den Punkt zu bringen. Das sei perfekte Musik, die technisch äußerst anspruchsvoll sei, so Hadelich. Jede Note sei am richtigen Platz. Da könne nichts verändert werden. Und auch wenn er das Violinkonzert öfter spiele, benötige ein solcher Abend immer wieder vorher noch einiges an Probenarbeit.

Nebelige Wälder und finnische Sagen

Michael Dühn sagte, man sehe bei dieser Musik nebelige Wälder und vor sich und fühle sich an finnische Sagen erinnert. Stimmt! Jean Sibelius gilt als der finnische Nationalkomponist schlechthin. Und auch Augustin Hadelich sagte, er möge besonders die donnernden Tiefenklänge daran.

Als Zugabe vor der Pause spielte er etwas von Bach – aus der 2. Sonate in Andante.

Nach der Pause Tschaikowskys Manfred-Sinfonie

Nach der Pause dann die selten gespielte Manfred-Sinfonie von Tschaikowsky. Der Komponist hat sich dazu von einem Gedicht Lord Byrons inspirieren lassen. Darin irrt der Titelheld Manfred durch die Alpen. Seine Schwester Astarte hat sich nach einem inzestuösen Verhältnis mit ihm getötet. Tschaikowsky selbst war verliebt in einen jungen Geiger, den er 1884 in einem Lungensanatorium in Davos besuchte. So gesehen liegen die autobiographischen Parallelen zum Byron-Gedicht auf der Hand: in beiden Fällen die Alpen, in beiden Fällen unglückliche (damals) verbotene Liebschaften.
Diese Sinfonie fährt an Dramatik alles auf, was geht. Am Ende kommen sogar Orgel- und Harfenklänge zum Einsatz. Vielleicht ist dieses überbordende Pathos und die Angst vor einem Kitschvorwurf der Grund, warum sich heutige Konzertveranstalter scheuen, dieses Werk auf den Spielplan zu nehmen. Dabei ist es wunderschön und zutiefst ergreifend.

Insgesamt ein sehr gelungenes Philharmonisches Konzert, dessen Musik zur Jahreszeit passt – mit einem Orchester in Topform.

So geht’s weiter

Die Philharmoniker bitten am 1. und 2. Januar (17 Uhr bzw. 19.30 Uhr) zum Neujahrskonzert ins Opernhaus. Das nächste Philharmonische Konzert mit Musik von Frank Zabel (eine Uraufführung), Mozart und Beethoven folgt am 23. und 24. Januar, jeweils 20 Uhr, im Konzerthaus.

Dortmunder Philharmoniker

Theater Dortmund

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1. Philharmonisches Konzert
2. Philharmonisches Konzert
1. Konzert Wiener Klassik
Cityring-Konzerte: hier, hier und hier

Andreas Schröter