Die Klasse Gostner

„Aus jedem Dorf ein Hund“ heißt eine Ausstellung, die vom 21. Oktober bis 19. November im Künstlerhaus am Sunderweg 1 zu sehen ist. Die Klasse Martin Gostner von der Kunstakademie Düsseldorf präsentiert dabei ihre Werke.

Aus jedem Dorf ein Hund: Man kennt diese Redewendung vom Kartenspielen. Man hat von jeder Farbe etwas auf der Hand, kein einheitliches Blatt also, das eine bestimmte Strategie oder Richtung vorgeben würde. Mit diesen Karten wird man zunächst kaum das Spiel bestimmen, aber man kann vielleicht den vermeintlich Starken das Spiel verderben und die Richtung des Spiels im entscheidenden Moment drehen. Dieses Drehmoment ist es, welches das Spiel erst spannend macht und für Überraschungen öffnet.

Das scheint ein treffendes Bild für die Klasse Gostner und für ihr möglichst offenes, interdisziplinäres und multimediales Arbeiten zu sein. Schon bei der Berufung der Studierenden in die Klasse wird daher ganz bewusst auf formale wie inhaltliche Heterogenität besonderes Augenmerk gerichtet, welche sich nun in der Ausstellung im Künstlerhaus Dortmund als ein breit angelegter plastischer Diskurs wiederfindet. Die sehr unterschiedlichen Räume im Künstlerhaus erlauben es den Studierenden, ihre Arbeiten in ganz verschiedenen Ausdrucksformen wie Plastik, Skulptur, Installation, Kinetik, Video und Audio, Fotografie, Grafik und Malerei, ortspezifisch anzuwenden und sich zueinander oder auch gegeneinander ins Spiel zu bringen.

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:

Felix Adam, Hanne Bleichert, Nina Blum, Marina Bochert, Valerie Buchow, Teye Gerbracht, Minji Kang, Alesha Klein, Jonas Kohn, Edmée Laurin, Aylin Leclaire, Denis Oechsle, Almut Rabenau, Lisa-Julie Rüping, Paul Schwaderer, Sabrina Straub, Di Yang, Hanhan Yuan

Zugleich weist das Künstlerhaus auf das Musikprogramm
„DREXCIYA – Detroit Techno, Aquanauten und die Politik des Dancefloors“
im Rahmen des Afro-Tech-Festivals des HMKV  hin – am 27. Oktober 2017, 19 Uhr im mex-Keller des Künstlerhauses.

Programm:

Vortrag mit DJ-Set von Dash
live vertonter Kurzfilm von knowbotiq/Yvonne Wilhelm
Gespräch mit Lamin Fofana und Zen Jefferson, Black Cyborg DJ-Set

Drexciya

Drexciya ist der Name eines legendären Techno-Duos aus Detroit, das aus Gerald Donald und dem verstorbenen James Marcel Stinson bestand. Auf ihren Alben erzählen sie von einem „schwarzen Atlantis“ (ebenfalls Drexciya genannt) im Atlantischen Ozean. Diese Stadt wird von den Nachfahren schwangerer Frauen bevölkert, die als Sklavinnen aus verschiedenen Ländern Afrikas verschleppt und während der Überquerung des Atlantiks über Bord geworfen und ermordet wurden. Ihre ungeborenen Kinder überlebten im Mutterleib und entwickelten die Fähigkeit, unter Wasser atmen und leben zu können. Sie gründeten eine unbekannte Unterwasser-Zivilisation, die über utopische Technologien verfügt. In der Afro-Tech Ausstellung sind viele Platten-Veröffentlichungen von Drexciya und zwei künstlerische Arbeiten, die sich auf Drexciya beziehen, zu sehen.

Im Rahmen der Festivalwoche wird an diesem Freitag Abend der Mythos lebendig: Zu erleben ist ein durch ein DJ-Set von Lamin Fofana live vertonter Kurzfilm der Medienkünstlerin Yvonne Wilhelm, in dem sie die künstlerische Erzählung von Drexciya mit der Migrationsgeschichte ihrer Mutter verknüpft.

Der DJ und Medienwissenschaftler Dash a.k.a. Steffen Korthals erzählt die Geschichte der Band anhand von Texten, Bildern und live angespielten Schallplatten in einem Vortrag, weitet den Blick auf die größeren Kontexte Detroit und Techno und berichtet, welchen Einfluss die Band auf zahlreiche weitere Künstler*innen hatte und nach wie vor hat.

In einem anschließenden Gespräch reden Lamin Fofana und der Performancekünstler Zen Jefferson über die Bedeutung von Drexciya für ihr eigenes Werk: Fofana kommentiert mit den Mitteln elektronischer Musik auf seiner EP Another World das aktuelle Sterben auf dem Mittelmeer und erzählt vom Ozean als Speicher von Erinnerung, Schmerz und auch möglichen Utopien.

Jefferson beleuchtet die Aspekte des Posthumanen im Drexciya-Mythos anhand seiner Beschäftigung mit der Comicfigur Cyborg, einem afroamerikanischen Maschinenmenschen aus dem Universum der DC Comics, die – obwohl gut gemeint – viele rassistische Stereotype fortschreibt – und andererseits vielleicht doch Möglichkeiten für Selbstermächtigung und Emanzipation in sich birgt.

mehr Informationen zum Afro-Tech-Festival