Nach Manila

Szene aus Nach Manila mit Mario Simon (Livekamera), Merle Wasmuth, Björn Gabriel und Raafat Daboul. Foto: Hupfeld

Nach dem Wiedereinzug ins Schauspielhaus am Hiltropwall kommt nun eine weitere Produktion aus dem Megastore wieder auf die Bühne: Nach Manila ist ab Samstag, 6. Januar (20 Uhr im Studio) wieder zu sehen.

Das Stück erzählt die Geschichte dreier „Clickarbeiter“ auf den Philippinen, die zweifelhafte Fotos in Netzwerken wie Facebook und Tinder sichten und sperren. Eine Autorin aus dem Westen versucht, dem Leben und der Arbeit der Clickarbeiter auf die Spur zu kommen – und verwickelt sich dabei immer tiefer in die Abgründe unserer digitalen Gegenwart. „Nach Manila“ beruht auf Recherchen der Gruppe Laokoon; inzwischen ist auch ein Buch zum selben Thema erschienen: „Digitale Drecksarbeit“ von Moritz Riesewieck, der auch Regie führt bei Nach Manila. Karten für die Veranstaltung kosten 15,- Euro (10,- Euro ermäßigt) und sind erhältlich an der Vorverkaufskasse im Opernhaus (Platz der Alten Synagoge), unter www.theaterdo.de und 0231/50-27222. Weitere Termine im Januar sind: 14. und 20. Januar.

Rezension zu Nach Manila

Hier noch einmal die Besprechung des Dortmunder Kulturblogs zu Nach Manila:

Die Zuschauer betreten einen mit warmem, aber nicht allzu hellem Licht ausgeleuchteten Raum, der mit allerlei Pflanzen zugestellt ist. Man muss sich zunächst orientieren, wo man denn überhaupt Platz nehmen kann. Aha, manche Pflanzen sind mit Sitzbänken umrandet, und im düsteren Hintergrund gibt’s ebenfalls Holzbänke.

Das Ganze wirkt wie eine friedliche Gartenidylle (Bühne: Christian Maith) und bildet damit einen scharfen Kontrast zum Inhalt dieses Theaterabends. „Nach Manila“ heißt er, stammt von der Künstlergruppe Laokoon und hatte am Samstag Premiere im Megastore in Dortmund-Hörde. Thema sind so genannte „Klickarbeiter“, die auf den Philippinen für einen Hungerlohn das soziale Netzwerk Facebook nach pornographischen oder Gewalt verherrlichenden Inhalten durchstöbern und sie löschen.

Mehrere Reisen nach Manila

Der Autor und Regisseur Moritz Riesewieck hat das Thema selbst auf mehreren Reisen in Manila recherchiert. Für das Theaterstück hat er ein Alter Ego für sich selbst erschaffen – eine Autorin (Carolina Hanke), die vor Ort mit den Klickarbeitern spricht. Die leiden unter psychischen Störungen, hervorgerufen durch die permanente Beschäftigung mit Gewalt und Pornographie. Die Frau (die einmal mehr herausragend intensiv spielende Merle Wasmuth) hat einen Waschzwang und andere Neurosen, der erste Mann (Björn Gabriel) entwickelt perverse sexuelle Obsessionen, der zweite Mann (Schauspiel-Eleve Rafaat Daboul aus Syrien) ist besessen vom grausamsten Video, das das Netz je gesehen hat. Darin wird ein Mädchen getötet. Der Mann baut in seiner kleinen Wohnung einen Garten nach, der auch im Video vorkommt. Somit wiederholt sich hier im Kleinen das Gartenmotiv der gesamten Inszenierung.

Massiver Einsatz von Videotechnik

Wie oft im Schauspiel Dortmund setzt auch diese Arbeit auf den massiven Einsatz von Videotechnik. Weil Kameramann Mario Simon die Schauspieler permanent verfolgt, können die Zuschauer das Geschehen alternativ auch auf drei großen Leinwänden verfolgen. Und das ist gut so, denn wegen der großen Pflanzen kann man nicht von allen Plätzen alles gleich gut sehen. Sprechchor und Theaterpartisanen sind eingebunden, und es gibt ein paar unterhaltsame theatrale Gags. So kriechen beispielsweise als Sinnbild für den allumspannenden Ekel gegen Ende des Abends ein paar als Riesenschnecken verkleidete und sicherlich höllisch schwitzende Theaterpartisanen über den Boden.

Aktuelles politisch-gesellschaftliches Thema

Zu loben ist die erneute Auseinandersetzung mit einem aktuellen politisch-gesellschaftlichen Thema – etwas, das das Schauspiel Dortmund besonders in dieser Spielzeit mit Stücken wie „Trump“, „Die schwarze Flotte“ oder „Flammende Köpfe“ zum Trend erhoben hat. Und das ist gut so. Das Schauspiel gibt sich damit eine Relevanz, die man an anderen Häusern vergeblich sucht. Als Kritikpunkt an diesem Abend könnte man allerdings sagen, dass das Thema „Klickarbeiter haben mit psychischen Störungen zu kämpfen“ letztlich vielleicht doch etwas dünn für einen eineinhalbstündigen Abend ist, der sich im Wesentlichen um die eine These dreht. Da fehlt die Entwicklung, auch wenn einer der Klickarbeiter seinen Job kündigt und später sein Geld mit genau der Obsession verdient, die er entwickelt hat.

Andreas Schröter

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