Winterpalast

»Sturm auf den Winterpalast«, Hier zu sehen: Das berühmte Foto vom Sturm im vermuteten Original. Der Kommandoturm der Regisseure und die Zuschauer rechts sind noch zu sehen. Aber auch dieses Foto stammt vermutlich nicht vom Sturm selbst, sondern – wegen der Tageszeit – von einer Probe. Auf dem Kommandoturm saßen der Chef der Fernmelde- und Telefonkompanie, mehrere Telefonisten sowie die Regisseure Evreinov, Petrov, Kugel, Levickij und Klark; die anderen Regisseure waren bei den Handlungsorten ihrer Gruppen. 
Zentrales Staatliches Archiv für Kinofotophonodokumente in St. Petersburg, CGAKFFD SPb, Katalognummer Ar 86597

Gleich zwei Ausstellungen eröffnet der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U am Freitag (24.11.), 19 Uhr, auf der Ebene 6 des Dortmunder U: „Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes“ und „Die Grenze“ . Beide Ausstellungen laufen vom 25. November bis 8. April.

Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes“

2017 jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. Aus diesem Anlass widmet sich das Projekt Sturm auf den Winterpalast: Forensik eines Bildes jener Fotografie, die wie keine andere zum Symbolbild dieser Revolution geworden ist: dem Sturm auf das Winterpalais. Allerdings stammt das Foto nicht vom historischen Ereignis selbst, sondern von einem theatralen Reenactment. 1920 erhielt der russische Theaterregisseur und -theoretiker Nikolaj Evreinov den Auftrag, zum 3. Jahrestag der Revolution die Einnahme des Winterpalais nachzustellen. Der Sturm selbst hatte jedoch in dieser Form so nie stattgefunden. Und doch wurde aus der Fotografie eines Theaterereignisses ein ‚historisches Dokument’. Die Ausstellung Sturm auf den Winterpalast: Forensik eines Bildes präsentiert alle erhalten gebliebenen Aufnahmen des Reenactments von 1920 (ein Film, ca. 75 Fotografien) und die Dokumentwerdung des Fotos in der sowjetischen Geschichtsschreibung in Bildbänden, Schulbüchern, Zeitungsreportagen und Ausstellungen. Neben der minutiösen Rekonstruktion der Aufnahmesituation wurden zeitgenössische Künstler*innen eingeladen, neue Arbeiten zu produzieren, die auf Evreinov antworten bzw. ihn kommentieren und sich mit den Themen Geschichte, Erinnerung, Reenactment und Wiederholung auseinandersetzen.

Die Künstler

Eine Ausstellung mit Arbeiten von Chto Delat, Nikolaj Evreinov, Waldemar Fydrych (Orange Alternative), Cristina Lucas, Kazimir Malevich, Milo Rau, Peter Watkins

Kuratiert von Dr. Inke Arns (HMKV) und Prof. Dr. Sylvia Sasse (Universität Zürich)

 

Ausstellung „Die Grenze“

Wo beginnt Asien, wo endet Europa? Die Ausstellung „Die Grenze“ erkundet und reflektiert Grenzen als territoriale Ein- oder Ausgrenzung, als kulturelle oder soziale Trennlinie, als Instrument, das „Wir“ von den „Anderen“ zu unterscheiden. Dabei dient die geografische wie auch die kulturelle Grenze zwischen Europa und Asien als roter Faden. Das Projekt nähert sich dieser Thematik aus künstlerischer Sicht und lenkt den Blick – über eine rein politische und ökonomische Bedeutung hinaus – auf kulturelle, künstlerische, persönliche oder auch humorvolle Dimensionen. Die Grenze ist eine Wanderausstellung mit 23 künstlerischen Positionen der jüngeren Generation aus Osteuropa, Russland, Zentralasien und Deutschland, die unterschiedlichste Formen von Grenzziehungen reflektieren. Wo beginnt Asien, wo endet Europa? Das ist die Leitfrage des mehrjährigen Kunstprojekts, das vom Goethe-Institut 2017/2018 in Kooperation mit zahlreichen Partnerinstitutionen in Osteuropa, Zentralasien und Deutschland realisiert wird. Nach Stationen 2017 in Moskau (Russland), Sankt Petersburg (Russland), Krasnojarsk (Russland), Kiew (Ukraine), Tiflis (Georgien) und Minsk (Belarus) ist die Ausstellung ab 25. November 2017 im HMKV in Dortmund zu sehen, bevor sie 2018 weiter nach Jekaterinburg (Russland), Almaty (Kasachstan) und Taschkent (Usbekistan) reist.

Die Ausstellung umfasst 23 künstlerische Positionen der jüngeren Generation aus elf Ländern – Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Deutschland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Ukraine und Usbekistan. Die künstlerischen Medien sind vielfältig: Videos, interaktive Skulpturen, Giveaways, Postkarten, eine Neoninstallation, Filme, Zeitungen, eine Soundinstallation, Tapetenentwürfe, Teetassen, Fotografien und eine Karaokestation.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Inke Arns, Direktorin des HMKV, sowie dem freien Kurator Thibaut de Ruyter, der auch für die Ausstellungsarchitektur verantwortlich zeichnet.

Die Künstler

Eine Ausstellung mit Arbeiten von Umida Achmedova & Oleg Karpov (Taschkent, Usbekistan), Alisa Berger (Köln, Deutschland), Aytegin Djumaliev (Bischkek, Kirgisistan), Natalya Dyu (Almaty, Kasachstan), Saule Dyussenbina (Almaty, Kasachstan), Farhad Farzaliyev (Baku, Aserbaidschan), Hamlet Hovsepian (Ashnak, Armenien), Katya Isaeva (Moskau, Russland), Olga Jitlina (Sankt Petersburg, Russland), Anton Karmanov (Nowosibirsk, Russland), Alina Kopytsa (Kiew, Ukraine), Gaisha Madanova (Almaty, Kasachstan / München, Deutschland), Taus Makhacheva (Moskau, Russland), Eleonore de Montesquiou (Berlin, Deutschland), Stanislaw Mucha (Berlin, Deutschland), Marat Raiymkulov (Bischkek, Kirgisistan), Alla Rumyantseva & Alexey Rumyantsev (Duschanbe, Tadschikistan), Sergey Shabohin (Minsk, Belarus), Sophia Tabatadze, Nadia Tsulukidze «Khinkali Juice» (Tiflis, Georgien), Alexander Ugay (Almaty, Kasachstan), Viron Erol Vert (Berlin, Deutschland), Where Dogs Run (Jekatarinburg, Russland), Anastasiia Zhyvkova (Kiev, Ukraine)

Kuratiert von Inke Arns und Thibaut de Ruyter

„Die Grenze” ist ein Ausstellungsprojekt des Goethe-Institutsmit Stationen in Moskau, Kiew, Minsk, Tiflis, Dortmund und in Zentralasien. Mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amtes. Kooperationspartner in Dortmund ist der HMKV (Hartware MedienKunstVerein).

Ausstellungsorte:
→ Moskau, RU: Moskauer Museum für moderne Kunst (MMOMA), Galerie der Künste Surab Zereteli, 1.- 26. Feb. 2017
→ Sankt Petersburg, RU: Design-Zentrum Artplay, 16. März – 11. April 2017
→ Krasnojarsk, RU: Museumszentrum Krasnojarsk, 22. April – 28. Mai 2017
→ Kiew, Ukraine: Plivka, 20. Juni – 25. Juli 2017
→ Tiflis, Georgien: Georgisches Nationalmuseum, 30. Aug. – 23. Sept. 2017
→ Minsk, Belarus: Kreativzentrum Korpus 8, 4./5. Okt. – 9. Nov. 2017
→ Dortmund, DE: HMKV im Dortmunder U, 25. Nov. 2017 – 8. April 2018 (Eröffnung: Fr, 24. Nov. 2017)
→ 2018: Jekatarinburg, Russland
→ 2018: Almaty, Kasachstan
→ 2018: Taschkent, Usbekistan

HMKV

siehe auch hier und hier